Blond!!!

und jetzt?

falscher film

Nun bin ich etwas mehr als ein Woche zu Hause und bin hier immer noch total fremd. Ich schaue in den Spiegel, sehe meine blonden Haare und denke: ja bitte, ich will diesen Lifestyle, dieses Leben wofür diese ausgeblichenen Haare stehen. Nämlich Meer, Sonne, Freiheit, lazy time. Bei den Hundespaziergängen vermisse ich Palmen und Strand. Ich versuche hier das Schöne zu sehen, sehe es auch, aber es erreicht mir einfach nicht. Ich bin wie im falschen Film. 

Mit Freundinnen rede ich über meine Reise und wie ich mich nun fühle, dass ich schnell wieder los will. So richtig verstanden werde ich nicht. Mein Ex und auch einige meiner Freundinnen reden über die Verantwortung, die ich meinen Söhnen gegenüber habe. Aber was ist mit der Verantwortung mir gegenüber? Ich muss doch auch glücklich sein? Ist das ein so ausgefallener Wunsch, an einem Ort zu leben, an dem du dich wohl fühlst?

Tinto de Verano in Osnabrück – ein Feel-Good-Moment

Zufällig lerne ich beim Spazierengehen morgens mit den Hunden eine Frau kenne, die vor vier Jahren in Tarifa war. Sie trägt einen Hoodie mit einem Aufdruck auf dem Rücken, ganz unten steht as Wort »Tarifa«. Ich spreche sie drauf an und frage, ob sie da schonmal war und erzähle, dass ich gerade sieben Wochen lang dort war. Sie scheint mich zu verstehen. Wir reden nur 15 Minuten, aber sie kennt das Flair und wir unterhalten uns über Menschen, die dort »hängengeblieben« sind, zufällig kennen wir beide eine gleiche Person. Ich bin überrascht über diese Begegnung und frage mich, ob das wohl etwas zu bedeuten hat.

Auf einer Party von Bekannten langweile ich mich unendlich. Wie so oft in meinem Freundeskreis gruppieren sich Frauen und Männer automatisch voneinander getrennt. Das alleine finde ich schon sehr merkwürdig. Es wird über Rhabarber-Sirup und selbstgemachten Likör, über Neuigkeiten aus dem Dorf geredet. Es werden kleine Witze über die eigenen Männer gemacht und es wird gelästert über andere Party Gäste. Hier sind nicht alle gleich und ich habe Probleme, an den Gesprächen teilzunehmen. Ich schaue mich um und sehe den Gästen ins Gesicht. Der größte Teil sieht weder entspannt noch zufrieden aus. Ich mag nicht wirklich tanzen und wenn nur mit mir und meinen Gedanken. Sonst war ich immer die Party-Biene, die alle animiert hat. Ich merke, dass ich mich sehr verändert habe und viel mehr auf mich schaue. Das Alles hier fühlt sich nicht richtig an für mich. Fühle ich mich wohl? Mit mir selber ja, aber mit diesem Ort, diesem zu Hause, diesem Leben nein!

lo que falta es una palma

Mein Haus mag ich sehr. Als ich bei meiner Rückkehr reingehe bin ich überraschst wie schön es hier eigentlich ist. Ich mag meine Einrichtung, den Schnitt, den Stil. Der Garten ist auch nicht so schlecht. Ein paar Dinge würde ich dort ändern. Es fehlen zum Beispiel Kakteen und Palmen, das ist klar! ;-))

Also woran liegt es, dass ich mich hier nicht wohl fühle? Oft denke ich, es ist die falsche Art von Leben. Ich will dieses Leben nicht, ich will das andere, dass wobei meine Haare blond werden, ich viel draussen bin und oft neue Menschen kennenlernen. Das Leben in dem mir der Wind um die Nase weht, dass nach Sonne, Salz und Meer schmeckt. Ein Leben mit Abenteuern und gerne im Ausland.

Oft frage ich mich, warum ich nicht mit dem zufrieden sein kann, was ich habe? Was daran eigentlich so schwer ist? Ich versuche mir einzureden, dass doch alles gut ist, dass ich froh über so viele Freunde sein kann und so ein schönes Haus, Gesundheit und das alles. Ja, das kann ich wirklich sein. Aber wenn es doch nicht das Richtige für mich ist? Ich habe es versucht. Ich habe versucht ein normales, wie ich gerne sage, bürgerliches Leben zu führen. Mit Haus, zwei Kindern, Mann, Hunden, Garten und im Sommer Grillabenden auf der Terrasse, zwei Autos vor der Tür, samstags Rasenmähen und immer eine Kiste Bier im Keller. Ich habe mich bemüht, das alles gut zu machen. Mein Ex sagt, ich habe mich jahrelang »hineingezwängt« in dieses Leben. Da mag er recht haben. Aber ich wollte es. Ich wollte es versuchen. Eigentlich wusste ich aber schon immer, dass ich anders bin und etwas anderes will. Aber ich habe geglaubt, ich kann dieses normale Leben führen, wenn ich nur will. Es paßt aber leider nicht zu mir. Das weiß ich nun und das ist eigentlich auch keine wahnsinnige Überraschung für mich.

Klettern macht glücklich

Ich dachte, die Zeit in Spanien würde mein Fernweh etwas stillen und diese Unruhe in mir besänftigen, es ist aber das Gegenteil eingetreten. Ich will nun noch mehr weg. Noch mehr raus in die Welt. Mir ist das nun wirklich klar und ich habe es verdammt eilig das umzusetzen.

Natürlich sind da meine Söhne. Sie sind der einzige Grund, warum ich nicht schon wieder in Bo sitze und losgefahren bin. Ich tue mich schwer mit dem Thema Verantwortung im Hinblick auf die beiden. Ja, ich will und muss für sie da sein. Aber muss ich dafür immer hier vor Ort sein? In zwei Jahren sind wahrscheinlich beide aus dem Haus. Dann kann ich alles tun, was ich möchte. Mir fällt es nur leider so schwer, geduldig darauf zu warten. Und schließlich gibt es ja auch noch einen Vater. Wer sagt denn, dass sich immer die Mütter um alles kümmern müssen?

In Tarifa habe ich einen Holländer kennengelernt, auch getrennt lebend mit zwei Kindern. Für ihn war es sonnenklar, dass er und seine Ex-Frau sich die Erziehung der Kinder auch nach der Trennung teilen. Und das bedeutet, dass die Kids mal bei dem einem und mal bei dem anderen Elternteil leben. Das nenne ich mal Fortschritt und finde es auch durchaus sinnvoll. So bleibt der Einfluss und vor allem der engere Kontakt zu Mutter und Vater erhalten. Das könnte auch ein Konzept für mich sein.

Die Hunde sind jetzt immer dabei 😉

Sicherlich denkst du, dass sich das hier alles recht traurig und nach einem totalen Downer anhört. Das Erstaunliche ist, ich bin nicht traurig. Ich bin einfach sehr klar in meinen Gedanken, ich weiß nun ganz genau was ich will.

Mit dem ehemaligen Arzt, den ich hier schon oft erwähnt habe, schreibe und rede ich viel darüber. Er ist da ja schon ein Stück weiter, was das Vanlife angeht (fünf Jahre um genau zu sein!). Er sagt, da kommst du nicht mehr raus wenn du einmal Blut geleckt hast. Ja, das kann ich definitiv bestätigen. Das geht anscheinend allen so aus meiner kleinen Feel-Good-WG in Tarifa.

Wir hängen aktuell fest, und wünschen uns einfach wieder loszukommen und diese Freiheit zu genießen. Aber das normale Leben zwingt uns ein bisschen zu einem anderen Weg. Einer meiner Buddies hat mir am Telefon erzählt, dass er lieber abends in seinem Van sitzen geblieben ist, als er damit aus der Werkstatt nach Hause gekommen ist, und lieber dort noch ein Bier getrunken hat als in seinem Haus. Bei mir ist es ähnlich. Ich investiere viel Zeit in die Optimierung der Bulli-Ausstattung, bin meistens draussen, auch zum Arbeiten und grinse wenn ich Autofahre. Die Hunde wollen permanent mitfahren. Wir sind da ein eingespieltes Team.

do what you love and do it often

Die nächsten Reisen sind schon angepeilt. September Tarifa, vorher im Juli vielleicht Holland zum Kite Surfen mit einem meiner Buddies, später im August fahre ich eventuell nochmal in den Schwarzwald, eine lose Verabredung zum Klettern in den Alpen oder am Gardasee habe ich auch noch … ach, einfach mal schauen wo es mich hintreibt. Vielleicht kann ich auch meiner Verantwortung bewusst, mit einem oder beiden Söhnen etwas machen. In Landeda, in der Bretagne, waren wir immer sehr glücklich. Dort kann man auch Kite Surfen ;-))

Bis dahin treffe ich mich viel mit meinem Kletter-Buddies zum Klettern. Das ist etwas, was mich extrem glücklich macht. Ich gehe oft schwimmen im Freibad, auch das macht mich zufrieden. So hangel ich mich also durch bis es wieder los geht.

Es ist erstaunlich, dass ich hier aktiv die Glücks-Momente suchen muss und in Tarifa, waren sie einfach beinahe permanent da. Ich bin gespannt, ob das wirklich so bleibt wenn ich im Herbst nochmals dort bin. Sollte Tarifa seinen Zauber verlieren geht die Reise einfach weiter. Portugal spuckt mir ja auch noch im Kopf rum. Es gibt tausende Orte, an denen ich mich wohl fühlen werde und ich weiß, dass ich einige davon finden werde. Mit Bo und Co oder auch mal mit dem Flieger ;-)))